Niebels Attacke auf Italien ist peinlich und beschämend für Deutschland. Schließlich hatte Deutschland sich nach einem parteiübergreifenden Beschluss des Bundestages für die Unterstützung des Yasuni-Nationalparks ausgesprochen und Ecuador bereits konkrete Finanzmittel zugesagt.
Schlimm genug, dass Niebel dieses Versprechen gegenüber Ecuador gebrochen hat. Dass er nun aber andere Länder dafür kritisiert, in den UN-Fonds zum Schutz der indigenen Völker und zum Erhalt der einzigartigen Biodiversität einzuzahlen, ist ein unglaublicher Vorgang. Es ist absolut zu begrüßen, dass Italien Ecuador 35 Millionen Euro Schulden erlassen will, wenn dadurch das Erdöl im Yasuni-Nationalpark nicht gefördert wird. Schließlich ist Ecuador ein armes Land, dass nicht um Entwicklungshilfe bittet, sondern vorschlägt, auf die Hälfte der möglichen Erdöl-Einnahmen zu verzichten, wenn die Weltgemeinschaft die andere Hälfte der Einnahmen kompensiert. Selbst nicht zu zahlen und Italien dafür zu kritisieren, ist eine Brüskierung des gesamten deutschen Parlamentes, das sich bis heute für die Unterstützung des ecuadorianischen Vorschlags ausspricht. Wenn Italien aufgrund seiner eigenen Schulden laut Niebel keinen Entwicklungsländern mehr helfen dürfe, müssten nach dieser Logik auch Frankreich, Deutschland und die USA ihre Entwicklungs-zusammenarbeit einstellen, denn fast alle OECD-Staaten sind hoch verschuldet. Es ist erbärmlich, dass ausgerechnet der deutsche Entwicklungsminister die Schuldenproblematik der reichen Nationen gegen die Armut und den Hunger in den ärmsten Ländern ausspielen will. Am Ende sollen nach Niebels Logik die Entwicklungsländern noch die Schulden der Industrienationen bezahlen. Dieser Entwicklungsminister ist nicht mehr tragbar.