Chancen erkennen – Schwächen benennen

Betzdorf  SPD gab Benjamin Geldsetzer„offizielle Weihe“ / Am 26. Mai ringt er mit Johannes Speicher (CDU) ums Bürgermeisteramt

goeb ■  „Betzdorf muss den Anspruch haben, sich wieder stärker als zentraler Standort der Region zu profilieren.“ Dieser Satz aus der Vorstellungsrede von Benjamin Geldsetzer, des neuen SPD-Stadtbürgermeister-Kandidaten für Betzdorf, fasst zusammen, was der 33-jährige Lehrer (St.-Franziskus-Gymnasium in Olpe) vorhat, sollte er am 26. Mai bei der rheinland-pfälzischen Kommunalwahl zum Stadtbürgermeister gewählt werden.

Um es noch einmal zu betonen: Parteifreund Bernd Brato bleibt als hauptamtlicher Bürgermeister und Chef des Rathauses in Betzdorfs Diensten. Hier geht es allein um das „Ehrenamt“ des Stadtbürgermeisters.

Man darf sich allerdings nicht täuschen: Das Amt mit einer Flut von Terminen und Arbeitsfeldern ist anstrengend und anspruchsvoll zugleich und schluckt viel Zeit. Der Gesetzgeber gewährt demzufolge eine anständige Aufwandsentschädigung, gestaffelt nach der Einwohnerzahl des jeweiligen Ortes. Geldsetzer hatte zuvor schon erklärt, dass er mit seiner Schule gesprochen habe. Er bliebe natürlich Lehrer dort, würde sein Stundenkontingent in Absprache mit der Aufsicht aber herunterfahren.

Die Rede, die er am Mittwochabend im Hotel Breidenbacher Hof im Rahmen der SPD-Mitgliederversammlung in Betzdorf hielt, steckte die Gebiete ab, in denen Geldsetzer meint punkten zu können. „Ich habe mich in den letzten Monaten und Jahren oft gefragt, auf welche Art und Weise und in welcher Funktion ich meinen Beitrag für eine positive Stadtentwicklung leisten könnte“, brachte er vor.

Obwohl erst 33 Jahre alt, ist Geldsetzer bereits „ein alter Hase“ in der Politik, wie Bernd Brato bemerkte. „Du hast schon viel Erfahrung. Ich weiß die Politik bei dir in guten Händen.“ In gut zehn Jahren hat sich Geldsetzer die politischen Sporen verdient, sei es im Stadtrat, im Verbandsgemeinderat oder im Kreistag, als Fraktionssprecher in Gremien, zeitweise auch als Beigeordneter, also als Bürgermeister-Vertreter. „Du bist sehr dynamisch“, lobte Brato.

Klar, dass der neue Kandidat auch neue Wege beschreiten will. Dafür habe Brato das Fundament gelegt, mit erfolgreicher Wirtschaftspolitik, Arbeitsplatz- und Kaufkrafterhalt, Gewerbegebieten, Breitband-Ausbau et cetera.

Entwicklungspotential erkenne er besonders in der Außenwahrnehmung der Stadt. „Es muss sich wieder lohnen, zum Einkaufen nach Betzdorf zu fahren“, forderte er, zumal den Bürgern allmählich bewusst werde, dass einkaufen nicht nur aus Amazon und Ebay bestehe. Leerstandsbekämpfung durch originelle Konzepte stehe bei ihm ebenso auf der Agenda wie der Wunsch, mehr Kleinkunst in die Stadt zu holen und damit Gäste. Er meinte auch die Stadthalle und ihre Möglichkeiten wieder mehr in den Blick rücken zu müssen.

Freizeitmöglichkeiten, Senioren- und Jugendarbeit – diese Bereiche solle man einem „Brainstorming“ unterziehen, schlug er vor, denn erst die kluge Idee ziehe Tatkraft nach sich. Leider verstaubten viele Vorschläge aus dem einstigen Bürgerwettbewerb „Masterplan 2020“ in Schreibtischschubladen. Es sei nun an der Zeit, eine „Agenda 2030 oder 2040“ zu entwerfen.

Illusionslos blickte der Kandidat auf Betzdorfs „Achillesferse“, die „verfahrene“ Verkehrssituation. Die Stadt im Siegtal erstickt im Stau. „Hier müssen wir ergebnisoffen in die Diskussion treten“, sagte er und forderte: „Unsere Schwächen müssen klar und ehrlich definiert werden.“

Auch Geldsetzer ging auf das Thema Ärztemangel in der Stadt ein. Wie könnte er es auch negieren, da mit der neuerlich bevorstehenden Schließung einer Gemeinschaftspraxis 3000 Bürger einen neuen Hausarzt suchen. Die Situation ist besorgniserregend.

Er verurteilte den Numerus clausus. „Ich selber unterrichte als Lehrer in Olpe und bin immer wieder fassungslos über die Zukunftsaussagen von talentierten und vor allem motivierten Schülerinnen und Schülern, denen aufgrund eines Abiturschnitts abseits von 1,0 eine sehr lange Wartezeit für das Medizinstudium bevorsteht. In meinen Augen züchtet man sich mit dieser Politik kommende Nobelpreisträger heran, die später mit Sicherheit keine Allgemeinpraxis in unserer Region übernehmen oder eröffnen werden.“

Der Ärztemangel sei ein europaweites Problem – mindestens. Ohne unkonventionelle Wege zu gehen, könne man dieses Problem nicht lösen, war er überzeugt. Ein Puzzleteil im Gesamtbild: Spätestens dann, wenn an der Uni Siegen Medizinstudenten im klinischen Abschnitt studieren, müsse die Region Betzdorf Ausbildungspraxen anbieten. Und: Eine Stiftung in der Region zur Unterstützung von Studenten schade gewiss nicht. Schließlich „outete“ sich der Kandidat auch als Anhänger kommunaler Medizinischer Versorgungszentren (MVZ).

Geldsetzer will sich ferner einsetzen für eine lebenswertere „City“. Das könnten mehr Sitzgelegenheiten sein, attraktive Treffpunkte oder . . .  Dass Betzdorf einmal „das kleine Venedig“ genannt worden sei, belegten heute noch alte, idyllische Ansichtskarten. In unseren Tagen seien Sieg und Heller leider längst unter der „Betonwut“ früherer Jahrzehnte verschwunden, ein städtebaulicher Fehler, wie sich gezeigt habe. Die Flüsse für die Menschen wieder erlebbarer zu machen, das sei ein Traum. In Siegen habe es Träumer und Visionäre bedurft, um die Innenstadt wieder attraktiv zu gestalten. „Warum nicht auch wir?“

 

SPD-Listen stehen fest

Aufwändig gestaltete sich die Wahl der SPD-Kandidaten für die politischen Gremien, kompliziert die Formalien. Doch am Ende standen die Namen fest. Benjamin Geldsetzer sprach von einer „noch besseren Liste als beim letzten Mal“. 15 Personen seien unter 40 Jahre, es gebe auch zwölf Kandidatinnen. Diesmal habe es keine Proporz-Quote zwischen Betzdorf und Gebhardshain gegeben, auch verteilten sich die Geschlechter problemlos alternierend auf die Plätze.Bernd Brato freute sich, dass das Interesse an Politik zunehme.

 

Der Artikel stammt aus der Siegener Zeitung, Freitag, 22.02.2019, geschrieben von Dr. Andreas Göbel

 

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